Die Anfänge Deutschlands im 10. Jh.
Themen:
1. Vorgeschichte: Das Frankenreich nach Karl dem Großen
2. Die Gründung Deutschlands
3. Konrad I. (911-919)
4. Heinrich I. (919-936)
5. Otto I. (936-973)
6. Otto II.(973-983
7. Otto III. (983-1002)
Leseempfehlungen

Karte Deutschlands im 10. und 11. Jahrhundert

1. Vorgeschichte: Das Frankenreich nach
Karl dem Großen
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Nach dem Tod Karls des Große 814 erbte der älteste Sohn Ludwig,
genannt der Fromme (Kaiser 814-840) das gesamte Reich. Er versuchte das Reich
zusammenzuhalten, war aber nicht der richtige Mann dazu.
Ab den 830er Jahre zerfiel das Frankenreich langsam. Der Hauptgrund lag in
den kriegerischen Auseinandersetzungen der Söhne Ludwigs um die Macht.
Noch zu Lebzeiten Ludwigs, aber vor allem nach seinem Tod 840 gab es viele Kämpfe
zwischen den Brüdern Ludwig, Lothar und Karl
Die Folge war: Mehrere Teilungen des Frankenreiches in den Jahren 843, 870
und 880 in:
- Westfränkisches Reich (Frankreich ohne den Südwesten) unter Karl
II. dem Kahlen
- Ostfränkisches Reich (aus dem das spätere Deutschland hervorging)
unter Ludwig dem Deutschen
- Italien und Burgund sowie die Kaiserkrone für Lothar I.
In allen Teilreichen herrschten zwar auch weiterhin die Familie der Karolinger.
Sie starben jedoch Stück für Stück aus. So auch im Ostfränkischen
Reich:
911 starb der letzte Karolinger Ludwig das Kind
2. Die Gründung Deutschlands
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Im Ostfränkischen Reich entstand im Laufe des 9. Jh. das jüngere
Stammesherzogtum, d.h. es gab fünf Herzogtümer, die ziemlich unabhängig
von einer zentralen Königsmacht regierten. Die Karolingerkönige waren
zwar die Herrscher des Reiches, die Macht lag aber zum großen Teil bei
den Stammesherzögen.
Diese waren:
Sachsen
- In Sachsen herrschte die Familie der Liudolfinger, die an die Macht kam
durch ihre erfolgreichen Kämpfe gegen die Dänen, Slawen und Ungarn.
Beim Tod Ludwig des Kindes 911 war Herzog Otto von Sachsen der mächtigste
Herr im östlichen Reich, aber er war kein Karolinger und somit nicht
herrschaftsberechtigt.
Bayern
- Während der Abwehrkämpfe gegen die Ungarn konnte sich Luitpold
zum Anführer des bayrischen Stammes machen. Sein Sohn Arnulf übernahm
907 unangefochten das Herzogtum und baute es zu einer starken eigenständigen
Einheit aus.
Franken
- In Franken kämpften zwei Familien um die Macht: Die Konradiner und
die Babenberger.
- Letztlich konnten sich die Konradiner durchsetzen. Das Herzogtum blieb,
durch die jahrelangen internen Kämpfe, an Macht und Ansehen hinter dem
sächsischen und bayrischen zurück.
Schwaben
- Schwaben war erst auf dem Weg zu einem eigenständigen Stammesherzogtum.
Mehrere Familien kämpften um die Herzogswürde, aber es gelang niemanden
diese Macht lange zu halten.
Dies war also die Situation 911:
- Es gab keinen ostfränkischer Karolinger mehr, der die Herrschaft übernehmen
konnte.
- Stattdessen gab es 4 ehrgeizige Herzöge, die das Machtvakuum zu ihren
Gunsten ausfüllen wollten, denn es drohte die Einmischung der Karolinger
aus dem Westen, die sich anschickten, die Herrschaft über das östliche
Reich für sich zu beanspruchen.
- Die Herzöge einigten sich aber sehr schnell: Sie wählten den schwächsten
unter ihnen zum deutschen König: den Herzog von Franken Konrad.
3. Konrad I. (911-918)
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Im November 911 wurde der Konradiner Konrad in Forchheim (nördlich von
Nürnberg) zum deutschen König gewählt.
Die Gründe waren vielschichtig:
- Die Ungarn im Osten des Reiches bedrohten die Grenzen. Es kam immer wieder
zu räuberischen Einfällen. Ein gemeinsamer Anführer war nötig,
um dieser Gefahr zu begegnen.
- Konrad hatte die Unterstützung der Geistlichkeit.
- Konrad gehörte zum Stamm der Franken. Die Franken galten als Reichsvolk,
als Herzog der Franken hatte er damit eine besondere Ehrenstellung.
Situation Konrads
- Konrads Hauptproblem lag in seiner schwachen Machtstellung: er kämpfte
um die Stärkung der Königswürde gegenüber den Stammesherzögen.
Dies geschah hauptsächlich mit militärischen Mitteln: zunächst
gegen die Sachsen, dann auch gegen die Schwaben und Bayern. Das Ergebnis war
niederschmetternd: letztlich konnte er sich gegen niemanden militärisch
durchsetzen.
- Der Bedrohung gegen die Ungarn konnte er sich nicht entgegenstellen, zu
sehr war er mit seinen inneren Kämpfen beschäftigt. Die Ungarn überfielen
immer wieder den Osten des Reiches. Den einzigen Erfolg hatten die Herzöge
von Bayern und Schwaben 913: es gelang ihnen die Ungarn an weiteren Raubzügen
zu hindern. Es war ein kurzlebiger Sieg, aber er hatte Signalwirkung nach
innen: es waren die Stammesherzöge, die siegten und nicht der König!
Nachfolgeregelung Konrads
Konrad mußte sich am Ende seines Lebens eingestehen, daß das Königsheil
offensichtlich nicht auf seiner Seite war. Als Zeichen für das Königsheil
betrachtete man in dieser Zeit u.a. die erfolgreiche Abwehr aller äußeren
Feinde. Davon konnte bei Konrad keine Rede sein, im Gegenteil: es waren die
Herzöge, die den Kampf gegen die Ungarn mehr oder weniger erfolgreich führten.
Auf dem Sterbebett designierte Konrad - ohne Rücksicht auf etwaige Erbansprüche
seines Bruders - den Herzog des stärksten Stammes, Heinrich von Sachsen,
zu seinem Nachfolger.
Es ist derselbe Heinrich, der als Heinrich der Vogler in die Literaturgeschichte
einging. Der Beiname der Vogler beruht auf der Legende, daß Heinrich beim
Vogelfang war, als er die Nachricht bekam, daß er der neue deutsche König
sei.
Damit gestand Konrad ein, daß er das Königsheil nicht besitzt und
ein Würdigerer nun herrschen solle.
Die Ballade von Heinrich dem Vogler
Herr Heinrich saß am Vogelherd,
Recht froh und wohlgemut;
Aus tausend Perlen blinkt und blitzt
Der Morgenröte Glut.
In Wies und Feld, in Wald und Au,
Horch, welch ein süßer Schall!
Der Lerche Sang, der Wachtel Schlag,
Die süße Nachtigall!
Herr Heinrich schaut so fröhlich drein:
Wie schön ist heut die Welt!
Was gilt's, heut gibt's 'nen guten Fang!
Er schaut zum Himmelszelt.
Er lauscht und streicht sich von der Stirn
Das blondgelockte Haar...
Ei doch! was sprengt denn dort heran
Für eine Reiterschar?
Der Staub wallt auf, der Hufschlag dröhnt,
Es naht der Waffen Klang;
Daß Gott! die Herrn verderben mir
Den ganzen Vogelfang!
Ei nun! was gibt's? Es hält der Troß
Vorm Herzog plötzlich an,
Herr Heinrich tritt hervor und spricht:
Wen sucht ihr Herrn? Sagt an!
Da schwenken sie die Fähnlein bunt
Und jauchzen: Unsern Herrn!
Hoch lebe Kaiser Heinrich, hoch!
Des Sachsenlandes Stern!
Sich neigend knien sie vor ihm hin
Und huldigen ihm still,
Und rufen, als er staunend fragt:
's ist deutschen Reiches Will!
Da blickt Herr Heinrich tief bewegt
Hinauf zum Himmelszelt:
Du gabst mir einen guten Fang!
Herr Gott, wie dir's gefällt!
(Text nach Johann Nepomuk Vogl (1802-1866) )
4. Heinrich I. (919-936)
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Heinrich I. (* 876, 2. Juli 936 in Memleben) war seit 912 Herzog der
Sachsen.
Er entstammt der Liudolfingischen Dynastie, einem sächsischen Adelshaus,
das sich auf Herzog Widukind, den Gegenspieler Kaiser Karl des Großen
zurückführte. Heinrichs Vater war Herzog Otto von Sachsen.
Heinrich I. war damit der erste König aus der ottonischen Dynastie. Er
verstarb am 2. Juli 936 in seiner Pfalz Memleben.
Stabilisierung der Herrschaft Heinrichs
- Diese Wahl der Nachfolge und die damit verbundene Königskrönung
war bei den anderen Herzöge sehr umstritten.
- Es war vor allem der bayrische Herzog Arnulf, der dagegen heftig protestierte.
Dies ging soweit, daß er sich sogar, vom Stamm der Bayern und Schwaben,
zum ersten Gegenkönig der deutschen Geschichte ausriefen lies.
Reaktion Heinrichs
- Heinrich reagierte wesentlich geschickter als Konrad. Er trieb einen Keil
zwischen Schwaben und Bayern indem er den bayerischen Herzog bestach. Es kam
zu einer Abmachung zwischen Heinrich und Arnulf: Arnulf erkannte die Herrschaft
Heinrichs an. Im Gegenzug gewährte Heinrich dem bayerischen Herzog freies
Verfügungsrecht über die bayrische Kirche.
- Anschließend kümmerte er sich um die, nunmehr isolierten, Schwaben.
Hier ging er weniger diplomatisch vor: er besiegte sie militärisch..
Hauptanliegen Heinrichs
Heinrichs Hauptproblem war ein drohender Zweifrontenkrieg:
- Im Westen (in Lothringen) herrschten Unruhen. Es bestand die Gefahr, daß
sich diese Unruhen auf sein Reich ausdehnen würden. Ein kurzer Feldzug
im Jahre 926 löste dieses Problem.
- Im Osten gab es immer noch das noch seinem Vorgänger nicht gelöste
Problem der Plünderungen durch die Ungarn. So fielen sie 926 in Schwaben
ein und plünderten z.B. das Kloster St. Gallen.
Kampf gegen die Ungarn
Nachdem Heinrich seine Macht nach innen, durch die erfolgreichen Auseinandersetzungen
mit Bayern und Schwaben, stabilisiert hatte, konnte er sich der größten
außenpolitischen Gefahr stellen: den Ungarn.
- Sein größte Problem war: er hatte keine schlagkräftige
Armee gegen die Ungarn, er mußte erst etwas aufbauen, eine Strategie
entwickeln und ein Heer aufstellen. Durch einen glücklichen Zufall gelang
es Heinrich einen der ungarischen Anführer gefangen zu nehmen. Als Gegenleistung
für die Freilassung handelte er einen 9-jährigen Waffenstillstand
mit den Ungarn aus und zahlte zudem eine hohe Summe als Tribut. Die Ungarn
verspottete ihn zwar, aber so gewann er Zeit, um ein zuverlässiges Verteidigungssystem
aufzubauen.
- Heinrich ließ Klöster, Stifte und Wohnstätten befestigen
und neue Burgen anlegen. Sie wurden zum Mittelpunkt der lokalen Verteidigung
im ganzen Reich. Jeder Ort, jede Burg und jedes Kloster sollte ein sicheres
Rückzugsgebiet bekommen, in das sich die Bevölkerung in Notzeiten
zurückziehen konnte.
- Außerdem wurde das Heer neu organisiert. Heinrich baute eine schwer
gepanzerte sächsische Reiterei auf.
933 fühlte sich Heinrich dann stark genug und verweigerte den Ungarn die
jährlichen Tributzahlung. Er suchte den Kampf gegen die Ungarn. Es kam
zur Schlacht an der Unstrut (sächsisch/thüringische Grenze, Ort unbekannt),
wo Heinrich die Ungarn besiegte und vertrieb.
Die Folgen dieses Sieges waren für Heinrich sehr positiv:
- Er wurde im ganzen Reich als König anerkannt, weil er bewiesen hatte,
daß er das ganze Reich beschützen konnte.
- Mit dieser Stabilsierung seiner Königsstellung war es kein Problem
für Heinrich, seinen Sohn Otto zum Nachfolger wählen zu lassen.
5. Otto I. (936-973)
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Zum ersten Mal erfolgte die Krönung eines deutschen König nach einem
wohldurchdachten Zeremoniell und unter Beteiligung aller deutschen Stämme.
- Otto wurde von den Großen der Stämme in Aachen gewählt,
im Münster vom Erzbischof von Mainz und Köln gesalbt und gekrönt
und vom Volk bestätigt.
- Die 4 Herzöge des Reiches leisteten dem König den Ehrendienst
als Kämmerer, Truchseß, Marschall und Mundschenk.
Mit diesem Zeremoniell knüpfte Otto an die Tradition Karls des Großen
an und machte deutlich, daß er wie Karl zu herrschen beabsichtige.
- Otto wollte als König aller deutschen Stämme herrschen und versuchte
die Macht der Stammesherzöge zu beschränken.
- Sein Motto: mehr Macht dem König, weniger Macht den Herzögen.
Folge:
- Es kam unter den Herzögen zu Protesten, die in einen regelrechten
Aufstand mündeten.
- Der bayrische Herzog Eberhard, ein Sohn Arnulfs, wurde 938 von Otto vertrieben.
Sein Hauptgegner aber war sein jüngerer Bruder Heinrich, der zweimal gegen
Otto rebellierte und besiegt wurde.
Insgesamt versuchte Otto die Herzogsämter mit eigenen Verwandten zu besetzen,
um so die Herzogsgewalt durch Familienbande zu kontrollieren:
- sein Schwiegersohn Konrad der Rote wurde Herzog von Lothringen, das unter
Heinrich I. erworben wurde.
- sein Bruder Heinrich, mit dem er sich ausgesöhnt hatte, wurde 947
Herzog von Bayern
- sein Sohn Liudolf ernannte Otto 950 zum Herzog von Schwaben
Aber dieses System der Amtsherzöge bewährte sich nicht, denn diese
identifizierten sich schnell mit den Interessen des jeweiligen Landes. Die Treue
innerhalb der Familie war kein Garant für inneren Frieden. Es kam zu Aufständen:
Liudolfingischer Aufstand 953
- 953 erhob sich Ottos Sohn Liudolf mit Konrad dem Roten, dem Mainzer Erzbischof
und sächsischen Adeligen gegen den König.
- Bayern, Schwaben, Lothringen und Teile Sachsen schienen für Otto verloren,
als ein neuer Ungarnsturm große Teile Süddeutschlands verwüstete.
- Damit verlor der Aufstand allerdings seine moralische Grundlage. Wie kann
man einen Aufstand gegen den König durchführen, wenn alle zusammenhalten
sollten, um gemeinsam die Feinde des Reiches abzuwehren. Alle Hoffnungen richteten
sich auf den König. Liudolf und Konrad unterwarfen sich und Otto konnte
sich gegen die Ungarn wenden.
Schlacht auf dem Lechfeld 955
Mit einem starken Aufgebot aus allen deutschen Stämmen besiegte er die
Ungarn auf dem Lechfeld, bei Augsburg. Als Folge davon erhielt Otto den Beinamen
'der Große'.
Außenpolitik:
Ungarn
- Mit diesem vollständigen Sieg endeten die Ungarneinfälle. Diese
wurde im heutigen Ungarn seßhaft und gründeten später unter
Stefan dem Heiligen (997-1038) ein eigenes Reich.
- Parallel dazu wurde die Bayrische Mark (Österreich) einer zielstrebige
deutsche Kolonialisation und Mission unterzogen und dem Reich eingegliedert.
Der deutsche Osten
- Otto setzte die Ostpolitik seines Vaters fort: Unterwerfung der Slawen
an der Elbe, sowie Christianisierung bzw. Missionierung durch Erschaffung
neuer Bistümer (Magdeburg, Havelland, Oldenburg und Brandenburg).
Lothringen und Burgund
- Beide Länder wurden dem Einfluß des westfränkischen Reiches
entzogen und durch Otto kontrolliert.
Die Reichskirchenpolitik Ottos
Otto fand als Verbündete und Gegengewicht gegen die Stammesherzögen
die Kirche. Er knüpfte damit an die Politik Konrads I. an.
- Es gelang ihm, die Kirche so eng an das Königtum zu binden wie keinem
seiner Vorgänger zuvor.
- Er machte Bischöfe und Reichsäbte zu weltlichen Fürsten,
indem er ihnen weltliche Herrschaftsrechte und volle Gerichtsbarkeit übertrug
(Beispiel: Zoll-, Münz- und Markrechte).
- Konkret heißt das: Otto schlug den neuen Bischof vor und dieser wurde
dann von Klerus und Volk oder vom Konvent (bei Äbten) gewählt (=Investitur).
- Im Gegenzug erwartete Otto große Leistungen von den neuen geistlichen
Fürsten: v.a. Loyalität und militärische Unterstützung.
Fazit
- Otto machte die Kirche zu einem Pfeiler der königlichen Gewalt.
- Der Klerus übernahm teilweise die Funktion der königlichen Beamten,
da sie gebildet waren: so wurde der Mainzer Erzbischof zum Erzkanzler für
Deutschland.
Folge
- Viele Adelige wurden aus Karrieregründen Bischöfe und Äbte.
Manche von ihnen vernachlässigen ihre geistlichen Pflichten. Das widerum
führte zu einer gewissen Verweltlichung der Kirche.
Ottos nächstes Projekt war die Erlangung der Kaiserwürde und dazu
mußte er nach Rom ziehen und sich um Italien kümmern.
Kaiserkrönung und Italienpolitik Ottos I.
Situation Italiens im 10. Jahrhundert
- In Italien herrschen chaotische Zustände. Sarazenen und Ungarn plünderten
immer wieder das Land.
- Italien war dreigeteilt: byzantinisch im Süden, langobardisch im Norden
und der Kirchenstaat in der Mitte um Rom.
- Für die deutschen Könige aber war Italien aus zwei Gründen
besonders wichtig:
- wer die norditalienischen Städte kontrollierte, hatte die Kontrolle
über deren große Reichtümer.
- wer Kaiser werden wollte, mußte nach Rom gehen und das Land bis
Rom kontrollieren.
1. Italienzug Ottos I. 951
Im September 951 zog Otto mit einem großen Heer nach Italien, ging nach
Pavia und nannte sich ohne Wahl "König der Langobarden". Ein
Titel, den schon Karl der Große geführt hatte.
- Otto wollte zweierlei: Kaiser werden und Oberitalien kontrollieren.
- Kaiser wurde er nicht, weil Papst Agapet II. (945-955) dies ausdrücklich
ablehnte.
- Oberitalien wurde aber deutsch, denn Otto heiratete Adelheid die Witwe
des italienischen Königs Lothar.
2. Italienzug Ottos 961
- Italien blieb nach Ottos Rückkehr nach Deutschland immer noch ein Chaos
- Lokale Machthaber kämpften um die Macht in Oberitalien.
- Römische Adelsfamilien stritten sich um die Kontrolle des Papsttums,
während sie gleichzeitig machthungrige Große abwehrten (wie Berengar,
Markgraf von Ivrea und König von Italien).
- 961 bat Papst Johannes XII. (955-964) Otto um Hilfe gegen Berengar und
gegen eine innerrömische Adelspartei.
- Otto kam wieder mit einem großen Herr über Pavia nach Rom. Berengar
zog sich zurück.
- Am 2. Februar 962 wurde Otto zum Dank für diese Hilfe von Papst Johannes
zum Kaiser gekrönt.
- Erst 2 Jahre später kehrte Otto nach Deutschland zurück, weil
er erst Berengar bekämpfen müßte und dann auch noch Johannes
XII. absetzte, da dieser inzwischen die Seiten gewechselt und sich gegen Otto
verschworen hatte.
Neuregelung des Verhältnises zwischen Kaiser und Papst durch Otto.
- Der Papst leistet dem Kaiser einen Treueid.
- Vor der Papstwahl muß die Genehmigung des Kaisers eingeholt werden.
- Im Klartext: Der Kaiser bestimmt wer Papst wird.
Das Kaisertum Ottos I.
- Die Begründung des Kaisertums lag im Mittelalter stark im religiösen
Bereich, wie dies in der 'Zwei-Schwerter-Theorie' zum Ausdruck kommt.
- Es gibt zwei Gewalten in der mittelalterlichen Herrschaftswelt (= 2
Schwerter): die geistliche Gewalt (Papsttum) und die weltliche Gewalt
(Kaisertum).
- Der Kaiser war zum Schutz der Kirche und der ganze Christenheit verpflichtet,
er mußte gegen die Heiden kämpfen und den christlichen Glauben
verbreiten.
- Der Kaiser hatte den universalen Anspruch der Schutzherr der ganzen
Christenheit zu sein.
Wenige Jahre nach seiner Kaiserkrönung sorgte Otto I. für eine klare
Nachfolgeregelung: 967 ließ er seinen Sohn Otto II. in Rom zum Kaiser
krönen und verheiratete ihn 972 mit der byzantinischen Prinzessin Theophanu.
Fazit der Herrschaft Ottos des Großen:
- Er erreichte die Vorherrschaft Deutschlands in Europa,
- Deutschland dehnte sich nach Osteuropa und Norditalien aus,
- Otto sicherte das Kaisertum für den deutschen König und trat
damit die Nachfolge Karls des Großen an,
- Er kontrollierte das Papsttum in bislang ungeahnten Maßen.
973 starb Otto an einem schweren Fieber und wurde in der Magdeburger Kathedrale
beigesetzt.
6. Otto II. (973-983)
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Otto II. herrschte nur sehr kurz und es gibt nur wenig von ihm zu berichten.
- Otto begab sich bald nach Süditalien, um es den Byzantiner zu entreißen.
Er scheiterte an dieser Aufgabe.
- Schlimmer noch: in Deutschland kam es zu einem großer Slavenaufstand,
während der deutsche König in Süditalien war.
- Kurze Zeit später starb Otto II. an Malaria. Zu diesem Zeitpunkt war
sein Sohn Otto III. erst drei Jahre alt.
- Ein altes Sprichwort sollte sich bewahrheiten: 'Wehe dem Land, dessen König
minderjährig ist'.
7. Otto III. (983-1002)
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Während der Minderjährigkeit Ottos III. regierten zwei Frauen das
Reich.
- Kaiserin Theophanu in Deutschland (Frau von Otto II.),
- Kaiserin Adelheid in Norditalien (Frau von Otto d. Großen).
Allerdings: Süditalien und Rom entglitten der kaiserlichen Herrschaft.
- Süditalien wurde wieder byzantinisch
- Rom versank in adeligen Parteikämpfen, wobei mehrere Päpste zu
Tode kamen.
Selbstherrschaft Ottos III. (ab 995)
Mit 15 Jahren wurde Otto III. mündig und übernahm selbst die Regierung.
Zur Person:
- Otto war ungewöhnlich gebildet für einen König: er konnte
lesen und schreiben, beherrschte Griechisch und Latein und interessierte sich
für Dichtung und Philosophie.
- Sein Verhältnis zur Religion war sehr gefühlsbetont: für
ihn bestand die Einheit von Gott und Welt, von Papsttum und Kaisertum.
- 996 verstarb Papst Johannes XV. Otto ernennt, obwohl er noch nicht einmal
Kaiser ist, ganz selbstverständlich einen nahen Verwandten zum Papst
(Gregor V. = erster dt. Papst).
- Noch im gleichen Jahr wurde er in Rom zum Kaiser gekrönt. 997 musste
er wieder nach Rom kommen, um für Ruhe und Ordnung zu sorgen.
- Das besondere an Otto III. war, daß der Schwerpunkt seiner Politik
nicht mehr in Deutschland lag, sondern in Rom.
'Renovatio imperii Romanorum'
= die Erneuerung des Reiches der Römer. Dies ist das Herrschaftsmotto
Ottos III.
- Rom sollte das Zentrum eines christlichen Universalreiches werden, in dem
Papsttum und Kaisertum friedlich zusammenarbeiten würden.
- Auf dem alten Platz der Kaiservillen (Palatin) ließ er einen eigenen
kaiserlichen Palast errichten.
- In vielen Bereichen knüpfte er an das alte Rom an und versuchte es
wieder aufleben zu lassen.
- In der praktischen Politik orientierte er sich aber eher an Ostrom (Byzanz):
er führte griechische Titel ein, übernahm das byzantinische Hofzeremoniell.
Und Deutschland?
- Otto war in erster Linie römischer Kaiser und dann erst deutscher
König.
- Er unterstellte die Königreiche von Polen und Ungarn nicht dem deutschen
König, sondern direkt dem römischen Kaiser.
- Das hatte zur Folge, daß es in Deutschland manche unzufriedene Stimmen
gab, die deutlich ihren Unmut äußerten.
Auch in Italien erging es Otto III. nicht besser, wenn auch aus anderen Gründen.
- Es kam zu Unruhen in Italien, vor allem in Rom: Der einheimische Adel sah
sich durch die dauernde Anwesenheit des Kaisers in seiner Macht eingeschränkt.
- Es kam zu schweren Kämpfen um Rom, in deren Verlauf Otto III. 22-jährig
verstarb.
Wie erging es Deutschland unter den Ottonen?
Bayern
- Unter Otto II. war das Herzogtum Bayern sehr mächtig geworden: Herzog
Heinrich der Zänker betrieb eine sehr eigenständige Politik - auf
Kosten des Reiches.
- Auf Grund dieses Unruheherdes zerschlug Otto II das bayrische Herzogtum:
Das Stammland Bayern erhielt Otto von Schwaben; Kärnten und der Nordosten
Italiens wurden eigenständige Herzogtümer. Oberpfalz und Ostmark
erhielten zwei verschiedene Babenberger Linien.
Slawenaufstand 983
- Die Slawen östlich der Elbe lehnten sich gegen die harte und ungerechte
Herrschaft des Markgrafen der Nordmark und Herzogs von Sachsen auf.
- Es kam zum Aufstand und zur Abkehr der Slawen vom Christentum.
- Während der Abwesenheit Otto II. und Ottos III. in Italien konnten
die Aufstände wenig wirkungsvoll bekämpft werden. Dies führten
zu anhaltenden Problemen, in deren Verlauf sich der lokale Adel selbständig
um diese Vorgänge kümmern mußte. In ihren Augen hatte der
deutsche König versagt!
Leseempfehlungen
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- Gustav Faber: Der Traum vom Reich im Süden. Die Ottonen und Salier.
Unterhaltsame Geschichte, gut verständlich, bleibt deshalb ein wenig
an der Oberfläche.
- Helmut Beumann: Die Ottonen (Urban Taschenbücher). Wissenschaftliches
Standardwerk über die Ottonen. Sehr informativ, viele Fakten, eher trocken.
- Josef Fleckenstein: Grundlagen und Beginn der deutschen Geschichte. Ebenfalls
ein wissenschaftliches Standardwerk mit Schwerpunkt auf Sozialgeschichte.
Sehr informativ.
Stand: 10.07.2003
ENDE