Karl der Große

Themen
1. Hinführung zum Thema: von den Merowingern zu
den Karolingern
2. Karl der Große: Expansion des Frankenreiches
3. Das Kaisertum Karls des Großen
4. Literaturhinweise

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Genealogie
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Reich Karls des Großen
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1. Hinführung zum Thema: Merowinger,
Karolinger
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Das Europa nach der Völkerwanderungszeit (5./6.Jh.)
Die Völkerwanderung veränderte Europa. Das Weströmische Kaiserreich
zerbrach 476. West- und Ostgoten fielen in Spanien und Italien ein.
Europa war vorwiegend in 3 Teile geteilt.
1. Westeuropa, v.a. Spanien: Westgoten
2. Italien: Ostgoten
3. Byzanz/Konstantinopel: oströmisches Kaiserreich
- 526 starb der Ostgotenkönig Theoderich des Großen.
- In Mitteleuropa siedelten diverse germanische Völker ab dem 3.Jh..
Die Gruppe am Mittel-, Niederrhein nannte sich die Franken = Freien/Kühnen.
- Die Franken waren ein sehr kriegerisches und streitlustiges Volk unter
römischer Herrschaft.
- 486 entledigte sich ein fränkischer Kleinkönig, aus dem Geschlecht
der Merowinger, der römischen Herrschaft. Sein Name war Chlodwig (482-511
König der Franken).
- Zugleich setzte er sich bei den anderen fränkischen Kleinkönigen
durch und wurde so als König aller Franken anerkannt.
- In den nächsten 30 Jahren zwang er ganz Westeuropa unter seinen Einfluß,
unter anderem auch, weil er den römisch-katholischen Glauben annahm und
damit Unterstützung aus Rom erhielt.
- Chlodwig gründete so die Königsdynastie und das Frankenreich
der Merowinger.
Wichtig: es kam zur Vermischung von gallorömischen Elementen (wie Verwaltungsstrukturen)
und germanischen Elementen (Heerkönigtum). Das antike Rom lebte in veränderter
Form weiter.
Das Reich nach Chlodwig I.
- Die Expansion der Merowinger ging weiter, das Reich wurde größer,
aber es fehlte schon bald eine einheitliche Führung. Der Grund dafür
lag im fränkischen Erbrecht: Jeder Königssohn bekam ein Teil des
Reiches (-> Schwächung des Reiches).
Allmählicher Zerfall des Merowingerreiches (6./7.Jh.)
- Im Laufe des 6. Jh. bildeten sich 3 Teilreiche im Frankenreich (Neustrien,
Austrien, Aquitanien), die sich erbittert bekämpften.
- Jeder Teilherrscher kämpfte um die Vorherrschaft. Dies schwächte
die Herrschaft der Merowinger, bis sie nur noch Schattenkönige waren.
Der Aufstieg der Karolinger (ab 7.Jh.)
- Mitte des 7.Jh. führten die Hausmeier ("maior domus") der
3 Teilreiche die eigentlichen Staatsgeschäfte. Sie waren die obersten
Hof- und Staatsbeamten. Die Könige sind teilweise nur noch Aushängeschilder.
- Einer dieser 3 Hausmeier war der Karolinger Pippin II., der Mittlere. 687
besiegte er seine beiden Hausmeierkollegen und war damit de facto stärkster
Mann im Staat.
- Als alleiniger Hausmeier kontrollierte er die Regierungsgeschäfte
im gesamten Reich. Es gelang ihm sogar, seinem Sohn Karl Martell sein Amt
zu vererben.
- Karl Martell, genannt der Hammer, (714-741) unterwarf die Friesen und besiegte
die Araber bei Tours und Poitiers 732. Damit stoppte er den Ansturm der Araber
nach Mitteleuropa.
- Unter seinem Sohn Pippin dem Jüngeren (741-768) veränderte sich
die Stellung der Karolinger ganz entscheidend.
- Pippin war nicht mehr mit der "Hausmeierwürde" zufrieden,
sondern strebte die Königswürde an. Er fragte deshalb bei Papst
Zacharias nach: Wer solle König sein, der der die Macht hat oder der
mit dem Namen? Die Antwort des Papstes war situationsbedingt eindeutig: Derjenige
solle König sein, der die Gewalt habe.
- Solchermaßen legitimiert wurde Pippin 751 zum fränkischen König
gewählt und gesalbt, der Merowingerkönig ins Kloster gesteckt.
- Hintergrund der päpstlichen Zustimmung: Zacharias brauchte Hilfe gegen
die Langobarden.
Situation Italiens Mitte des 8.Jh.
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| "Eiserne Krone" der Langobarde: Symbol für die Herrschaft
über Italien. Karl der Große erwarb als erster Franke die Eiserne
Krone (Monza, Domschatz). |
- Italien gehörte formal zum byzantischen Reich (Ostrom).
- Seit 568 besetzten die Langobarden Nord- und Süditalien. Rom war in
der Mitte eingekeilt.
- Der Bischof von Rom brauchte dringend Unterstützung. Byzanz unternahm
nichts. Also suchte der Papst andere Verbündete.
- Pippin kam dem Hilferuf des Papstes nach, marschierte nach Italien, besiegte
die Langobarden und schenkte dem Papst Teile Mittelitaliens (Pippinsche Schenkung).
Dies war die Geburtsstunde des Kirchenstaates. Der Papst hörte damit
auf, nur ein geistlicher Führer zu sein. Er wurde zum weltlichen Herrscher
in Mittelitalien.
2. Karl der Große: Expansion des Frankenreiches
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- Karl wurde 742 als ältester Sohn Pippins geboren. Er erlebte den Aufstieg
der Karolinger zur Königswürde.
- Da Karl noch einen anderen Bruder hatte (Karlmann), wurde das Reich, nach
fränkischer Sitte, 786 zwischen ihnen geteilt. Beide Brüder vertrugen
sich nicht, bevor es darüber aber zum Bürgerkrieg kam, starb Karlmann
771.
Beginn der fränkischen Italienpolitik
- Unter den Merowingern war Italien uninteressant, es war zu weit weg. Nicht
so für den neuen Frankenherrscher.
- Der Papst sandte erneut einen Hilferuf an den fränkischen König:
wieder wegen der Langobarden.
- 774 eilte Karl nach Italien, besiegte den Langobardenkönig Desiderius
und krönte sich selbst mit der eisernen Königskrone der Langobarden.
Zudem verlieh ihm der Papst den Titel "patricius romanorum" = Schutzherr
Roms.
- Damit übernahm Karl, wie einst Pippin, die Aufgabe der Verteidigung
der römischen Kirche. Die Päpste wandten sich von ihrem alten Schutzherrn
(Byzanz) ab und dem fränkischen König in Aachen zu.
- Parallel dazu verlief auch die Rückeroberung der verlorengegangen
Gebiete wie Bayern.
Ende der Agilofingerherrschaft in Bayern
- Mitte des 6. Jh. gerieten die Bayern in merowingische Abhängigkeit.
Die Franken setzten einen eigenen Herzog aus dem Geschlecht der Agilolfinger
ein. Die Herkunft der Agilolfinger ist auch heute noch unklar (wahrscheinlich
fränkisch).
- Durch die Schwäche des Merowingerreiches konnten die Herzöge
in Bayern eine ziemlich unabhängige Stellung erringen. Formal blieb die
fränkische Oberherrschaft bestehen.
- 757 bekam Tassilo III. sein herzogliches Lehen aus der Hand Pippins. Damit
verbunden war auch die Verpflichtung zur Heeresfolge. Nachdem Tassilo mehrmals
der Heeresfolge nachgekommen war, weigerte er sich eines Tages und beging
damit in den Augen der Karolinger Hochverrat.
- Tassilo suchte neue Verbündete zur Unterstützung für seine
Unabhängigkeit: Langobarden. Er heiratete eine langobardische Prinzessin.
- Als der Papst vermittelnd eingriff, kam es 781 zur Aussöhnung zwischen
Tassilo und dem neuen König Karl in Worms.
- Dieser Treueid hielt nicht lange, Tassilo weigerte sich auch weiterhin
den Aufforderung des Königs Folge zu leisten. Diesmal bliebt dieser Treuebruch
nicht folgenlos.
- Karl rückte mit 3 Heeresabteilungen nach Bayern vor, unterwarf Tassilo
in kürzester Zeit, auch weil dieser von Adel und Kirche im Stich gelassen
wurde. Tassilo unterwarf sich, durfte sein Herzogtum aber behalten.
- Karl schaute allerdings der immer noch eigenmächtigen Politik Tassilos
nicht lange zu. Der Bayernherzog wurde auf einer Reichsversammlung 788 angeklagt,
zum Tode verurteilt und dann zu lebenslanger Klosterhaft verdammt.
Folgen für Bayern
- Bayern verlor seine bisherige Unabhängigkeit, blieb aber als politische
und kirchliche Einheit bestehen.
- Es wurde die neue Ostgrenze des Reiches mit der Aufgabe des Schutzes gegen
die Awaren aus Ungarn.
Kämpfe gegen Awaren
- Die Awaren waren ein tartarisches Reitervolk, das im 6.Jh. ihre Wohnsitze
am Schwarzen Meer verließ und nach Westen zog.
- 788 kamen sie nach Bayern und Italien, wurden aber von Karl abgewehrt und
siedelten in Ungarn. Von hier aus unternahmen sie immer wieder Überfalle
auf das Frankenreich.
- 796 wurde Karls Sohn Pippin beauftragt, die Awaren zu besiegen, was ihm
auch an der Theißmündung gelang. Karl machte daraufhin die Awaren
zu seinen Dienstmannen.
- Sein Hauptkampfgebiet lag aber weiter nördlich: in Sachsen.
Der Sachsenkrieg
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| Karolingische Reiterei: Sattel, Rüstung, Zaumzeug und vor allem Steigbügel
dieser karolingischen Adeligen waren für das frühe Mittelalter
relativ neu. Aus: Goldener Psalter (9.Jh.), St. Gallen, Stiftsbibliothek |
- Die ursprüngliche Heimat der Sachsen war das westliche Holstein. Im
2.Jh.n.Chr. zogen sie nach Süden und Westen (Niedersachsen).
- Sie überrannten und integrierten die dort lebenden Germanen (Chauken,
Cherusker, Thüringer).
- Seit dem 5. Jh. kam es immer wieder zu Grenzproblemen mit dem Fränkischen
Reich. Dies zog sich bis in die Zeit Karls hinein.
- 772 zog Karl erstmals gegen die Sachsen. Grund: Ablenkung von innenpolitischen
Problemen, sowie Demonstration der eigenen Stärke. Später kam noch
die Missionierung hinzu. Hintergrund davon war seine Herrschaftsauffassung.
Karls Herrschaftsauffassung eines christlichen Königs
- Karl betrachtete den König als ein "Schwert Gottes", ja
sogar als Stellvertreter Gottes auf Erden, dessen Aufgabe es sei einen gerechten
und heiligen Krieg gegen die Heiden zu führen. (Seine Lieblingslektüre
war Augustinus' Gottesstaat).
- Karl sah sich als Führer und Verteidiger des "Gottesstaates"
auf Erden.
- Dies ging dann soweit, daß er bei theologischen Fragen eigenmächtig
entschied und sich durchsetzte, manchmal auch gegen die Päpste.
Krieg in Sachsen
- Der erste Feldzug 772 war ein voller Erfolg für die Franken: viele
sächsische Heiligtümer wurden zerstört.
- Die Antwort der Sachsen: Zerstörung fränkischer Kirchen und Gebiete:
Nicht um Beute zu machen, sondern um Rache zu nehmen.
- Karls Reaktion, nach seinem Hofbiographen Einhard: er schwor "das
treulose Volk der Sachsen so lange zu bekriegen, bis es entweder vertilgt
wäre oder das Christentum angenommen habe."
- Karl setzte ein Großteil seiner gefürchteten Panzerreiter auf
Sachsen an. Er selbst führte ohne mitzukämpfen.
- Es dauerte 30 Jahre bis der Widerstand der Sachsen gebrochen wurde.
- Immer wieder unterwarfen sich die Sachsen unter ihrem Anführer Widukind,
was aber nicht lange hielt.
- Um den Sachsenherzog Widukind zu isolieren, versuchte Karl den sächsischen
Adel für sich zu gewinnen: ohne Erfolg. Denn: Widukinds Hauptunterstützung
kam von den einfachen Leuten und Bauern, die allesamt den neuen aufgezwungenen
Glauben ablehnten.
- 777/78 schien es als habe Karl endlich gesiegt, weshalb er sein Heer abzog
und sich nach Spanien wandte. Hier wollte er den christlichen Grafen gegen
die Herrschaft des Islams beistehen - ohne Erfolg. Die Christen wollten von
seiner Hilfe nichts wissen.
Erneuter Sachsenaufstand unter Widukind
- Während Karl Abwesenheit kam es in Sachsen zu einer ganzen Reihe von
Aufständen.
- Karl zog also erneut nach Sachsen und erstickte jeden Widerstand brutal.
Ganze Landstriche wurden verwüstet.
- 785 erreichte dieser Kampf ein vorläufiges Ende: das einst mächtige
Sachsen wird fränkische Provinz. Widukind gab den Widerstand auf, nahm
den Lehnseid und ließ sich taufen. Das Christentum wurde dort als Staatsreligion
eingeführt, alles heidnische bei schwerer Strafe verboten.
- Trotzdem war Sachsen noch nicht ganz unterworfen. Auch als der Herzog aufgab,
kämpfte das Volk und Teile des Adels weiter: jedes Jahr kam es zu neuen
Aufständen.
- Erst Anfang des 9.Jh. erlahmte die Kraft der freie Sachsen und sie gaben
auf. 30 Jahre Krieg gingen zu Ende.
3. Das Kaisertum Karls des Großen
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Die Kaiserkrönung: Berechnung oder Zufall?
- 795 bestieg Leo III. den Stuhl Petri. Er suchte sofort die Unterstützung
des Frankenkönigs, indem er ihm den Schlüssel zum Grab Petri und
das Banner Roms schickte.
- Seit dieser Zeit richteten sich die päpstlichen Urkunden nicht mehr
an Byzanz aus, sondern nach den Frankenherrschern.
- Leo III. war unter Teilen der römischen Aristokratie sehr unbeliebt.
799 wurde er von römischen Adeligen überfallen, woraufhin er nach
Paderborn zu Karl floh und ihn um Hilfe bat.
- Karl zog mit Leo nach Rom und bereinigte die Situation dort für ihn.
- Am 25. Dezember 800 kam es zum denkwürdigen Ereignis in der Peterskirche.
Karl nahm am Weihnachsgottesdienst teil, kniete am Altar nieder und als er
aufstand setzte ihm Leo die Kaiserkrone aufs Haupt, während das Volk
ihm zujubelte. Anschließend salbte der Papst den neuen Kaiser.
- Karl war damit "imperator et augustus" und trat die Nachfolge
der weströmischen Kaiser an.
Rätselraten:
- Die Frage war nun: wurde Karl von Leo überrumpelt, wie Einhard dies
zum Ausdruck brachte: "Hätte Karl vom Vorhaben Leos gewußt,
hätte er die Kirche nicht betreten" (Vita Karoli Magni, cap.28).
- Es gibt darüber in der Wissenschaft recht unterschiedliche Meinungen,
eines erscheint jedoch klar: Karl war niemand, den man hätte überrumpeln
können.
- Folgender Ablauf ist der vielleicht wahrscheinlichste:
- Ab 795 arbeiteten König und Papst zusammen, sie verabredeten die Kaiserkrönung.
Dabei blieb noch unklar, wie sie auszusehen habe, wo und wann sie stattfinden
sollte.
- Am Weihnachtstag 800 übernahm Leo, wohl ohne genaue Absprache, die
Initiative und krönte zusammen mit dem Volk von Rom den neuen Kaiser.
- Was Karl daran erboste war, daß sich Papst und Römer in den
Vordergrund drängten. Denn Leo schuf hier einen Präzedenzfall mit
weitreichenden Folgen: Der Papst wurde Kaisermacher, er krönt und salbt
den Kaiser, nicht irgendwo, sondern in Rom.
- Dennoch: Karl der Große war nun Kaiser, König der Franken und
König der Langobarden.
- Damit nahm Karl den antiken Kaisergedanken für sein Volk wieder auf.
Die Franken werden zum herrschenden Volk in Rom.
- Und Byzanz? Byzanz hielt bislang die einzige Kaiserkrone. Es hatte allerdings
nicht mehr die Macht ein zweites Kaisertum zu verhindern und erkannte später
das neue Kaisertum der Franken an.
Karls Herrschaftsordnung
Karls Reich reichte nun vom Ebro bis zur Elbe, von Süditalien bis zur
Nordsee. Um es wirklich zu beherrschen, baute er eine einheitliche Ordnung auf,
die auf drei Grundlagen beruhte:
1. Grafschaftsverfassung (neu!)
- Problem: eine Vielzahl von Stämmen mußten unter ein Verwaltungssystem
gebracht werden, ohne alles gleichzumachen, was nur zu Unruhen geführt
hätte.
- Zu diesem Zweck schuf er eine neue Einteilung: Der Graf wird oberster Verwaltungsbeamter
des König in einem bestimmten Gebiet. Er wird von Karl direkt ernannt
und kam meist aus dem lokalen Adel. Der Graf erhielt dafür ein Lehen
und sorgte für die Verwaltung des Gebietes im Sinne des Königs.
2. Königsboten (missi) (neu)
- Damit die Grafen auch genau wissen, was der König wollte, schuf Karl
die Königsboten. Diese sammelten Informationen und überbrachten
die Anweisungen des Königs. Zudem hatten sie die Aufgabe, die Grafen
zu kontrollieren.
3. Treueid, Vasallität (alt)
- Grundlage des Verhältnisses zwischen König und Graf, König
und Bote, sowie zwischen König und Adel war der Treueid und die damit
verbundene Vasallität.
- Der König forderte von allen Untertanen (Adel, Kirche und Volk) Treue,
Gehorsam und Teilnahme am Militärdienst.
- Der Adelige ist Vasall des Königs. (vasallus = unfreier Diener). Er
leistete Militärdienst, dafür bekam er als Entlohnung ein Amt, Ländereien
oder andere Würden verliehen.
- Dieses System zog sich weiter bis nach unten (Lehenswesen).
Der Hof Karls des Großen, die karolingische Renaissance
Der Hof Karls des Großen
- 794 verlegte Karl seinen Hof dauerhaft nach Aachen, was absolut ungewöhnlich
fürs Mittelalter war, denn der König hatte normalerweise keinen
festen Platz (Hauptstadt). Er regierte Kraft seiner Autorität (Königsheil)
und mußte deshalb herumreisen, um sie zu demonstrieren.
- Karl baute Aachen praktisch neu auf. Es lag strategisch günstig, hatte
außerdem heiße Quellen.
- Neben dem Münster und dem Königshof ist vor allem die Pfalzkapelle
zu nennen, die 805 eingeweiht wurde. Es ist das bedeutendste Denkmal karolingischer
Kunst. Hier steht auch der Thron Karls, wo insgesamt 32 Könige des Mittelalter
gekrönt wurden.
- Karl gründete auch die Hofschule, eine Art Königsakademie. Es
wurde zum Zentrum von Bildung, Kunst und Wissenschaft im Reich. Leiter wurde
der Angelsachse Alkuin.
- Darüberhinaus förderte Karl Bildung und Kunst.
Karolingische Renaissance
- Förderer und Träger der Kunst waren Karl, die Kirche und der Adel.
- Die Kunst der Karolinger war auch Politik. Sie versuchten den germanischen
Franken die fremde Kulturwelt der alten Römer zu vermitteln, auch um
hier die Nachfolge in der Kaiserwürde zu demonstrieren.
- In vielen Bauten eignete man sich antike Kunstformen an, wie die Monumentalbauten
der römischen Kaiser. Deshalb spricht man auch hier von einer Renaissance
der Karolinger, von der Wiederbelebung der Antike (nur der römischen
Antike im Unterschied zur Renaissance im 15./16.Jh.).
- Beispiel: Pfalzkapelle in Aachen hatte ihr Vorbild in der Kirche San Vitale
zu Ravenna, die unter Theoderich 525 gebaut und 547 unter Justinian vollendet
wurde.
- Insgesamt hatte Karl mit Hilfe der Kirche den Germanen die Antike erschlossen.
Die Kunst, die Karl gefördert hatte, belegt auch wie sehr Karl und sein
Hof sich in der Tradition der weströmische Antike sahen.
4. Literaturhinweise
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- Riché, Pierre: Die Karolinger. Eine Familie formt Europa; dtv-Tb.
(sehr gutes und verständliches Standardwerk zur Geschichte der Karolinger).
- Richè, Pierre: Die Welt der Karolinger. Reclamverlag (Über Leben
und Alltag im Frühmittelalter, sehr informativ und anschaulich).
- Bosl, Karl: Europa im Mittelalter, (hervorragendes Überblickswerk
über die europäische Geschichte).
- Streifzüge durch das Mittelalter. Ein historisches Lesebuch, Beck-Verlag,
TB. (informativ und unterhaltsam; viele kleinere Artikel behandeln eine große
Spannbreite mittelalterlicher Geschichte).
ENDE
Stand: 26.05.2003