Geschichte Irlands bis 1921
Frühgeschichte
- Die Anfänge der Geschichte Irlands in unserem Zusammenhang liegen im
5. Jh. n.Chr.
- Das weströmische Imperium war dabei zusammenzubrechen, als 432 der
Mönch Patrick nach Irland kam und das Christentum mitbrachte. Das Christentum
verbreitete sich rasch und bescherte der Insel eine erste geistige und kulturelle
Blütezeit.
- Geistiger Mittelpunkt des Landes waren die Klöster.
Die Wikinger
- Der Friede dauerte nur kurz: 795 begann die Invasion der Wikinger (aus Norwegen).
In kurzer Zeit war die Insel besetzt.
- Gut 200 Jahre dominierten die "Nordmänner" große Teile
Irlands. Die ersten größeren Siedlungen entstanden: Dublin, Cork.
- Was nicht von den Wikinger besetzt war, kontrollierten die gälischen
Clans.
- 1016 gelang es ihnen, die Nordmänner zu besiegen, dann zerstritten
sie sich untereinander.
- Irland war damit leichte Beute für neue Invasoren.
Unter normannischer Herrschaft
- 1170: Zwei Familien stritten um die Königskrone: Fürst von Leinster
und der König von Connaght. Der Unterlegene Fürst von Leinster suchte
neue Bundesgenossen und fand sie in: England = Beginn des englischen Engagements
in Irland: 800 Jahre Kampf, Haß und Unterdrückung
- König Heinrich II. schickte einen Haufen Soldaten nach Irland. Es gab
einen kurzen Kampf und einen schnellen Sieg für Heinrich.
- Immer mehr englische Barone kamen: aus den Helfern in der Not wurden Ausbeuter
und Unterdrücker, die den Iren militärisch weit überlegen waren
(Kettenhemd und Bogenschützen gegen Steinschleudern).
- Das Problem mit den neuen Herren in Irland war: sie beherrschten 1/3 des
Landes ziemlich selbständig vom König, 1/3 um Dublin wurde direkt
vom König beherrscht und der Westen blieb in irischer Hand. Dies war
die Situation im 13. und 14.Jh.
- Aus den englischen Baronen wurde im Laufe der Zeit irische Herren. Irland
wurde von der englischen Krone vernachlässigt. Die Iren begannen wieder
an ihrer Eigenständigkeit zu arbeiten.
- Wollte die englische Krone wieder über Irland herrschen, so mußte
sie die Insel neu erobern.
Neueroberung und Kolonialisierung Irlands unter den Tudors im 16. und 17.Jh.
- Heinrich VIII. erklärte alles Land in Irland zu Königsland, d.h.
er erklärte sich zum irischen König und verteilte alles Land als
Lehen neu: Folge: Proteste, Rebellion zur Zeit Elisabeth I. Mit brutaler Härte
setzte sie englisches Recht in Irland durch: wer nicht Treue schwor, wurde
vernichtet. Mehrere Rebellionen wurden mit gleicher Brutalität niedergeschlagen
( = eines der Wurzeln des Hasses gegen die Engländer ).
- Englands Meinung über die Iren wurde in dieser Zeit geprägt und
veränderte sich bis ins 20.Jh. nur geringfügig: Die Iren sind Barbaren,
die man erst unterdrücken muß, bevor man sie überhaupt regieren
kann.
- Elisabeths Methode hatte Erfolg: England regierte in Irland, das allerdings
katholisch blieb: es gab keine Reformation in Irland.
- Jetzt sollte Irland erneut kolonialisiert werden, diesmal allerdings mit
zuverlässigen Protestanten. Angefangen hat man im Norden: Anfang des
17. Jh. kamen reihenweise königstreue, protestantische Engländer
und Schotten nach Ulster und verdrängten die dortige Bevölkerung.
Nach 20 Jahren lebten ca. 13.000 neue Siedler in Ulster, hauptsächlich
Schotten, die nicht Anglikaner sondern Presbyterianer waren. Viel Haß
baute sich auf.
- 23.11.1641: Aufstand der irischen Katholiken gegen die protestantischen
Siedler: ein aussichtloses Unterfangen, das Nachwirkungen bis heute hat: nahe
der Stadt Portadown massakrierten Katholiken hunderte protestantischer Männer,
Frauen und Kinder. Noch heute erinnern Fahnen bei den Umzügen der Protestanden
an "Portadown 1641".
- Die Rache der Briten war furchtbar: Oliver Cromwell, das "Schwert
Gottes auf Erden": Massenmorde in Drogheda, Vernichtungsfeldzüge
im gesamten Irland, Vertreibung nach Connaght.
- Die Unterwerfung, Benachteiligung und Unterdrückung Irlands als Strafe
für den Aufstand war vollständig. Ab jetzt gilt auch im Alltag:
wer Protestant ist, ist der Herr, wer Katholik ist, ist das zu beherrschende
"Tier".
- 1685-88 herrschte ein katholischer König in England: James II. (Farbe
grün). Irland hoffte auf Erleichterungen bekam aber Krieg: Wilhem von
Oranien ( Farbe orange) vertrieb James 1688, der nach Irland ging und hier
weiterkämpfte: er belagerte Londonderry sieben Monate lang, bevor ein
protestantische Entsatzheer Londonderry befreite. Das Motto der Protestanten:
"No surrender" = keine Kapitulation. Dies ist ein typisches Beispiel
für die protestantische Burgmentalität: sie fühlten sich immer
belagert, werden aber nie aufgeben. Entsprechend war Londonderry 1688 ein
wichtiges protestantisches Datum.
- Der Sieg Wilhelms von Oraniens war dann am 1. Juli 1690 in der Schlacht
am Fluß Boyne perfekt: gefeiert am 12. Juli am Orange-Day.
Neue Zeit in Irland - als Selbstbedienungsladen Englands
- Durch Strafgesetze "Penal-Laws" werden im 18.Jh. die Katholiken
vollständig entmachtet: keine politische Tätigkeit mehr, sie dürfen
weder in die Armee noch in die Marine und vor allem: sie durften kein Land
in Irland besitzen. Katholiken durften das Land nur pachten und mußten
es im Todesfalle an alle Kinder gleichermaßen verteilen.
- Folge: Das Land zersplitterte in immer kleinere Teile, viele mußten
ihr Land verkaufen: Ende 18. Jh. gehörten nur 5% des Landes Katholiken.
Hunger und Armut der irischen Bevölkerung waren die Folge.
Unruhige Zeiten, Zeit der Unruhen: Der lange Weg zur Unabhängikeit
- Seit dem 18. Jh. gab es immer wieder Bestrebungen, irgendeine Art von Unabhängigkeit
für Irland zu erkämpfen. Die Französische Revolution und ihre
Idee von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit sorgten in Irland für
viel Wirbel: Aufstände brachen los. England schug brutal zurück:
Hinrichtung aller Anführer. sowie die Vereinigung der beiden Königreiche
Irland und England im Jahr 1800.
- In Irland blieb es unruhig: Daniel O' Connell gründete 1823 die "Catholic
Association" und vereinte damit alle im Untergrund agierenden und zerstrittenen
Geheimgesellschaften. Ihm gelang es, die Idee von der Befreiung der katholischen
Bevölkerung mit dem Kampf um eine freie irische Nation zu verknüpfen.
Er starb 1847 ohne Erfolg, denn eine andere Katastrophe drängte die politische
Freiheit in den Hintergrund: Hunger.
- 1845: Kartoffelseuche in Irland. Kartoffeln verfaulten vor den Augen der
Bauern, niemand konnte dagegen etwas tun. 90% der Ernte war vernichtet. Die
Regierung in London half halbherzig, sie glaubte an die heilende Kräfte
des Markte und überließ Preise etc. dem Markt: Hungernot brach
aus, Revolten waren die Folge.
- Auch in den nachfolgenden Jahren gab es keine Erleichterungen: 1848 und
1849 fielen die Ernten aus: Menschen hatten ihre Saatkartoffeln gegessen,
England importierte nicht mehr viel. Überhaupt stellte England seine
Hilfsmaßnahmen bald ein: 1 Mio Menschen verhungerten oder starben an
der Seuche (bei einer Bevölkerung von 8 Mio). Die Folge: Massenauswanderung
vor allem nach Amerika (1,5 Mio), sowie weiterer unversöhnlicher Haß
auf die Englander in Irland und in den USA.
- Vor allem in Amerika wurden von den katholischen Auswanderern Unterstützungsfonds
und Bruderschaften gegründet = Vorläufer der IRA.
- Politische Folge der Hungersnot: Weg Irlands in die Gewalt. Niemand glaubt
mehr an eine friedliche Lösung.
- Rebellionen, Demonstrationen sorgten für ständige Unruhen.
- Zwei politsche Themen beschäftigen Irland in der 2. Hälfte des
19. Jh.: Freiheit Irlands und Landreform.
- 1879-1882 Landkriege in Irland: irische Pächter bestreiken die Großgrundbesitzer,
v.a. einer wird erfolgreich bestreikt: Sein Name war Boycott.
- Politischer Führer war Charles Stuart Parnell, Sohn eines reichen
protestantischen Großgrundbesitzers. Sein Motto "Home rule".
- Langsam begann London einzusehen, daß Irland mehr Selbständigkeit
erlangen sollte, v.a. unter dem liberalen Premier Gladstone (80er, 90er Jahre).
Aber: in Irland selbst wuchs Widerstand gegen mehr Selbständigkeit, und
zwar unter den Protestanten. Sie fürchteten die katholische Mehrheit
der Bevölkerung. Kein Erfolg für Home Rule. Es scheiterte immer
am Oberhaus (House of Lords).
- 1882: der erste politische Mord: gegen den Irlandminister Cavendish.
- Mehrere Landreformgesetze brachten Erleichterungen für die kleinen
katholischen Pächter. Damit konnte um die Jahrhundertwende Irland zunächst
beruhigt werden.
- 1911 war die Ruhe vorbei: erste Massendemonstrationen in Belfast brachen
mit einem Schlag die Themen Freiheit und Selbständigkeit wieder ins Bewußtsein
der Menschen. Zwei grundsätzliche Strömungen bildeten sich heraus:
Katholiken fordern Unabhängigkeit Irlands. Protestanten fordern: keine
Trennung vom Mutterland. Es blieb nicht bei Demonstrationen: erste protestantische
paramilitärische Milizen entstehen. Kurz danach gründete die Katholiken
eine entsprechende Gegenorganisation.
- Die Folge war eine massenhafte Aufrüstung auf beiden Seiten, alle
waren bereit aufeinander loszugehen; dann brach der 1. Weltkrieg aus. Beide
Seiten zogen für England in den Krieg: paradox genug.
- Radikale Katholiken nutzten Englands Schwierigkeiten: Osteraufstand 1916
in Dublin. Auch dieser Aufstand wurde mit äußerster Brutalität
von Seiten Englands niedergeschlagen. In kurzer Zeit wurde aus Rebellenführer
Märtyrer.
- Nach 1918 hatte sich die politische Landschaft verändert: Besonnene
Kräfte wurden in Irland durch radikale Aktivisten abgelöst. Eine
neue irische Partei tauchte auf: Sinn Fein (Wir selbst). Aus den alten Bruderschaften
wurde eine schlagkräftige neue Organisation gemacht: IRA.
- Folgen: Bürgerkrieg mit hunderten von Toten auf beiden Seiten.
- Lösung und Ende: 9. Juli 1921 unterzeichneten Sinn Fein und die brit.
Regierung eine Waffenstillstandsvertrag, am 6. Dez. wird Irland unabhängig.